Vegan unterwegs
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Düsseldorfs erste Socialbar

Was sich anhört wie eine neue In-Location ist in Wirklichkeit ein Ort wo sich Weltverbesserer und Aktivisten mit interessierten Bürgern treffen, um sich auszutauschen und neue Perspektiven zu erfahren. So jedenfalls hab ich meine erste Socialbar in Düsseldorf erlebt.

Doch alles der Reihe nach. Die Socialbar ist ein loser Zusammenschluss lokaler Gruppen, die unter dem Motto „Online bewegen, offline vernetzen“ themenbezogene Treffen organisieren, um verschiedene Menschen zusammen zu bringen und gegebenenfalls Kontakte herzustellen und zu netzwerken.

Seit der Gründung der Socialbar 2008 in Berlin wurde sie zu einem Treffen von Weltverbesserern. 
Der Fokus liegt vor allem darauf zu beleuchten, welche Rolle Social Media für nachhaltige und nicht-kommerzielle Projekte spielt. In engagierter Runde treffen sich regelmäßig Web-Aktivisten, Social Entrepreneurs, NGOs, ehrenamtliche Helfer, Politiker und Unternehmen mit sozialer Verantwortung, um Ideen sowie Erfahrungen auszutauschen, Synergien und Kooperationen zu schaffen, neue Kontakte zu knüpfen und vorallem um gemeinsam etwas zu bewegen.

Die Verbreitung der Socialbar funktioniert unter anderem deshalb so erfolgreich, da jeder mit Hilfe eines Wikis (http://www.socialbar.de/wiki) ganz einfach eine eigene Socialbar organisieren kann.“ Quelle: facebook.com/socialbar.duesseldorf

Gegen 19 Uhr ging es also mit meinem guten Freund Adrian (PaulyAgentur NachKlang) auf in den Coworking Space der Garage Bilk, der etwas versteckt im Hinterhof der Bilker Allee 217 liegt, um die erste Socialbar in Düsseldorf mit dem interessanten Thema „LEBENSMITTEL verwendung verblendung verschwendung“ zu besuchen. Nach der Anmeldung, so mit selbstgeschriebenen Namensschildern, gab es erst einmal ein gesponsortes Bier für lau (meine Abstinenzphase hat wirklich nicht lange gehalten :P), bevor es in den gut aufgeheizten Vortragsraum ging. Recht pünktlich um 19:30 Uhr gab es dann eine kleine Eröffnungsrede und eine Vorstellungsrunde des Orgateams (Nicole Artowitz, Tatiana Moneth, Silke Roggermann und Georg Staebner), bevor mit Peter Wiedeking, Gründer der Abendtüte, der erste Redner beginnen konnte.

Insgesamt gab es vier Vorträge zur Thematik Lebensmittelverschwendung und Umgang mit Lebensmitteln.

Peter Wiedeking (Die Abendtüte) – Misfits – Esst mehr häßliches Gemüse

Bettina Berens – Lebensmittelproduzent werden (solidarische Landwirtschaft)

Lebensmittelretter Düsseldorf – Foodsharing

Slow Food Youth Düsseldorf – Vorstellung der eigenen Arbeit

Interessante und vielfältige Vorträge

Nahezu alle Vorträge waren wirklich interessant und aufschlussreich. Besonders der erste Vortrag über das sogenannte „häßliche Gemüse“ hat vielen Fakten näher gebracht, die mir so bisher kaum bekannt waren. Etwa, dass 40% der jährlichen Ernte auf dem Feld vergammelt, weil es nicht der Norm entspricht und dadurch nicht verkauft oder verarbeitet werden kann. Wohlgemerkt: das Zeug tut nichts anderes, als anders auszusehen, als seine DIN-genormten Vettern auf dem Acker. Wer dagegen etwas tun will, der sollte sein Obst und Gemüse vor allem beim Bauernmarkt (in Düsseldorf bspw. auf dem Friedensplätzchen) kaufen und dort am besten auch direkt nach den Misfits fragen. Im Anschluss an den Vortrag gab es noch eine schöne Diskussionsrunde rund um die Thematik. Leider sind auch Fleisch und Milchprodukte Teil der Abendtüte, aber immerhin versucht man hier lokale Bauern zu unterstützen. (ABER nach wie vor gilt immer und überall: Tiere sind Lebewesen und keine Lebensmittel!). Wenn man aber verstärkt dort nach veganen Rezepten fragt, gibt es sicher bald auch ein breiteres Angebot. Falls ihr rein vegane Lieferkisten von lokalen Bauern kennt, freue ich mich über eure Tipps in den Kommentaren.

Socialbar Düsseldorf - Sketchnote - umsturzvegan - Düsseldorf - Veganblog - Vegan

Schnell hingekritzelte Sketchnote zum ersten Vortrag „Misfits – Esst mehr häßliches Gemüse“

Der anschließende Vortrag zur solidarischen Landwirtschaft war nicht so mein Fall. Bettina Berens konnte mich leider nicht so für ihr Thema begeistern. An sich finde ich den selbstbewussten und solidarischen Umgang mit Lebensmittelproduzenten erst einmal nicht schlecht. Ob man dafür allerdings selbst zum Produzenten werden muss, wage ich aber zu bezweifeln. Vor allem, da mir ja oft selbst die Zeit zum bloggen fehlt, könnte ich kaum noch in einem Kollektiv für Felder zuständig sein.

Die Lebensmittelretter und die Slow Food Youth haben dann im wesentlichen ihre Arbeit dargestellt. Das Thema foodsharing der Lebensmittelretter wurde in Teilen dann auch noch mal kontrovers diskutiert. Sollten Lebensmittel wirklich in frei zugänglichen Kühlschränken getauscht werden können? Die Idee dahinter finde ich an sich eigentlich super. Allerdings muss gerade bei Lebensmitteln darauf geachtet werden wo sie herkommen und ob sie wirklich genießbar sind. (Stichwort: vergiftete Hundeköder). Ein Kühlschrank, der ohne Probleme für alle zugänglich ist, lockt auch sicher schnell Idioten an. Daher muss eine dauerhafte Kontrolle gewährleistet sein. Und selbst dann kann man sich nicht wirklich sicher sein. Vielleicht ist das direkte Teilen unter Nachbarn, dann eine Alternative. Hauptsache am Ende landet nichts in der Tonne.

Und die Slow Food Youth Düsseldorf sprach mir dann zum Schluss mit ihrem Fazit „Essen ist ein politischer Akt!“ aus der Seele. Denn kaum etwas anderes wird so polarisiert und ist so aussagekräftig wie unsere Ernährung. Als Veganer*in kennt man das! 😉

Socialbar: Erwartungen leider nicht erfüllt

An sich war der Abend echt interessant und wir haben nach den Vorträgen noch ein nettes Gespräch mit Peter Wiedeking (Veganer sind gar nicht so supermarktfixiert ;P) und den Verantwortlichen der Slow Food Youth, die ihr nächstes Treffen übrigens am 4.3. ab 18 Uhr (Uedesheimer Straße 2, 40221 Düsseldorf) abhalten. Also falls ihr Interesse habt schaut einfach mal vorbei.

Insgesamt hätte ich mir Vorträge zu verschiedenen Ernährungsformen gewünscht. Stichwort CO²-Fußabdruck, Tierleid, Vor- und meinetwegen auch Nachteile einer veganen Ernährung. Das kam leider nicht vor. Generell war die Veranstaltung dann doch sehr Omnivore gehalten, was natürlich nicht schlimm ist. Ein rein pflanzlicher Part wäre aber schön gewesen. Schließlich ist Vegan zwar nicht immer nachhaltig, aber im Vergleich deutlich weniger verschwenderisch als manch andere Art der Nahrungsaufnahme.

Jetzt freue ich mich jedenfalls aus die nächste Socialbar am 19. Mai zum Thema „Digitale Revolution“ im Gewächshaus Düsseldorf. Ich finde das Projekt auf jeden Fall sehr interessant und werde versuchen zukünftige Termine regelmäßig wahrzunehmen. Ach ja: Der Eintritt ist frei

Kategorie: Vegan unterwegs

von

Jan

Hi, ich bin Jan, 29 Jahre aus Düsseldorf. Seit 2013 lebe ich vegan, berichte und zeichne hier über meinen veganen Alltag und kreiere leckere Rezepte. Außerdem betreibe ich das Label Rabbit Revolution und liebe es den Stift zu schwingen oder zu schreiben.

1 Kommentare

  1. Lustiger Blog-Post! Besten Dank für deine netten Worte. Ich fand die Diskussion über hässliches Gemüse auch sehr interessant. Man weiß ja als Redner nie, wie das Publikum so drauf ist. 🙂

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