Es wiederholt sich (2015)

Montag ist Gedichtetag auf dem Blog. Genau wie am letzten Montag räum ich gerade ein wenig in meinem Archiv herum und hab da ein Gedicht von 2012 ausgegraben, das in meinen Augen auch jetzt noch zur aktuellen Situation passt. Ich hab es nur leicht angepasst. 

Nur zur Vorwarnung: Es ist pathetisch und klar ist es im allgemeinen Duktus eher altmodisch. Warum? Naja 2012 war ich in meinem dritten Jahr an der Uni und ein großer „Fan“ von Heinrich Heine. In meinen Augen einer, wenn nicht sogar der bedeutendste Lyriker und Journalist dieser Zeit und bis heute. Ich kann euch seine Werke, wie etwa „Deutschland ein Wintermärchen“ nur ans Herz legen. Gerade im Bezug auf den Nationalismus und Patriotismus war Heine ein großer Weitdenker und Kosmopolit.

Der Patriotismus des Deutschen hingegen besteht darin, dass sein Herz enger wird, dass es sich zusammenzieht wie Leder in der Kälte, dass er das Fremdländische hasst, dass er nicht mehr Weltbürger, nicht mehr Europäer, sondern nur ein enger Deutscher sein will. Da sahen wir nun das idealische Flegeltum, das Herr Jahn in System gebracht; es begann die schäbige, plumpe, ungewaschene Opposition gegen eine Gesinnung, die eben das Herrlichste und Heiligste ist, was Deutschland hervorgebracht hat, nämlich gegen jene Humanität, gegen jene allgemeine Menschenverbrüderung, gegen jenen Kosmopolitismus, dem unsere großen Geister Lessing, Herder Schiller, Goethe, Jean Paul, dem alle Gebildeten in Deutschland immer gehuldigt haben.

Heinrich Heine -Deutscher Patriotismus (1833)-

So wie es momentan aussieht, hat sich in vielen Köpfen Europas genau dieses Bild über zwei Weltkriege und viele kleinere und größere (internationale) Konflikte gehalten. Kontinuitäten im Denken. Gerade in Zeiten, in denen Menschen mitten in Deutschland wieder Jagd auf Menschen machen, Häuser brennen und Hass in den Kommentarspalten des Internets und sogar in den Zeitungen und Nachrichten normal geworden ist, erinnert es uns daran, dass dies kein Problem ist, dass nur unsere Generation betrifft. In ganz Europa kommen Menschen unterschiedlichster Altersgruppen zusammen und nutzen ihre vorgebliche Angst vor etwas Neuem um den Hass „gegen jenen Kosmopolitismus“, „gegen jene Humanität“ und die „Menschenverbrüderung“ unabhängig von Hautfarbe, Status, Geschlecht und Nationalität zu pflegen.

Es kommen auch Idioten!

Dass mit den vielen Menschen, die bei uns Schutz suchen auch Idioten, Arschlöcher und Chauvinisten voll mit einem ähnlichen Hass zu uns kommen, lässt sich nicht vermeiden. Unter meinen Nachbarn auf meiner Straße oder auch in der Wohnung nebenan sitzen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch solche Dumpfbacken. Aber gerade wer vegan ist sollte wissen: Nur weil es manche/ viele Menschen gibt, die uns und unseren Mitgeschöpfen grauenhaftes antun, sich über alle ethischen Grenzen hinweg setzen, sind nicht alle Menschen automatisch schlecht.

Geschichte wiederholt sich

Geschichte wiederholt sich, wenn man sich nicht intensiv mit ihr auseinander setzt. Und ich könnte noch tausende Wörter und Absätze darüber schreiben, wie viel das Schweigen, die aufgesetzte Reue und die Heuchelei von Menschlichkeit der letzten Jahrzehnte dazu beigetragen haben, dass wir 2016 immer noch über Rassismus, Sexismus und Hass sprechen müssen. Aber es ist egal wie viel man zu diesem Thema auch schreibt, irgendwo findet immer irgendwer etwas, das dazu führt, dass man lieber über Kurzsichtigkeiten diskutiert anstatt sich mit der Lösung der Probleme zu beschäftigen. Und die Lösung, egal ob für den massenhaften Mord in den Schlachthäusern, der Heuchelei an den Supermarkttheken, den ganzen Hass auf alles Fremde, gegen die Vorurteile und  den Krieg, ist, nennt mich ruhig blauäugig und naiv, Liebe.

Jetzt hab ich doch mehr geschrieben als ich wollte und geb euch jetzt das Gedicht, von dem zu Beginn die Rede war. 😉


 

Es wiederholt sich (2015)

Eine Träne im Auge, die Faust in der Tasche
Auf dem Wege zum Grabe ich plötzlich erhasche
den Blick eines Mädchens so unschuldig süß
Mein Herz ja es springt so sie mich grüßt
und ihr lieblicher Blick er verzaubert mich gar
die Wahrheit darin so unendlich klar
im Auge die Träne sie bricht leicht das Licht
Ich streiche ihr leicht mit der Hand ums Gesicht

Sag mir süßes Mädchen wer bist du doch gleich?
Dein Blick er schickt mich ins Himmelsreich
Er zeigt mir die Zukunft, er zeigt mir das Glück
In die Zeiten nach Vorne und auch noch zurück
zurück in des Muttersschoß wohlig warm
keine Angst und auch kein Kummer und Harm

Da blickst du ganz traurig und bitter herum
Um uns herum auf einmal ein Sturm
Und in dieses Brausen ganz lieblich sich mischt
Ein Stimmchen, ein Singen, schon fast königlich
Die Gräber sich öffnen und leise man hört
wie das was passiert selbst die Leichen verstört

Ich bin die, sagt du, noch so junge Geschichte
Geschichte, die manch einer so gerne vernichte
Von Männern und Frauen die um ihr Leben kämpften
und Leben und Leib für Frieden verschenkten
Es gab mal, so hör ich, einen Traum von uns allen
von Freiheit und Liebe. Er hat uns gefallen

Als der Donner mit Wolken einst über uns zog
und mit einem Streich unsre Werte verbog
da wurde sich tief im Innern geschworen
Das Gejaule der Massen auf Straßen die Ohren
nie wieder soll auch nur annähernd streifen
wir wollten von uns aus den Wohlklang erreichen

Wir haben uns tapfer gekämpft durch die Nacht
Durch Häme und Spott und hats auch gekracht
Und damals wie heute schmerzt dieser Blick
und damals wie heute ein Bruch im Genick
Und es bricht nicht nur dein Herz in zwei Teile
Der Traum von Friede versinkt in der Zeile

Ich stutze und merk wie allein ich da steh
Die Gräber sind zu und das was ich nun seh
es raubt mir den Atem, es nimmt mir die Luft
Ein Schlag trifft mein Herz mit elender Wucht
Da merk ich auf einmal wie sehr es mich trifft
wie die „Meinung“ vom „Volke“ das Schöne versifft

Da fallen von längst getöteten Bäumen,
die Blätter, die einst uns ließen hier träumen;
Kein Wind mehr, der Wolken verschiebt hoch dort oben;
Eiskalt senkt sich der Mond, der nur noch gezogen
von alten einst hoffnungsfrohen Geschichten;
Auf lasst uns aufstehen, dagegen nun dichten!

JP-11.01.2016-


Insgesamt ist das natürlich alles recht verkürzt dargestellt. Aber ich rate jedem, der die Zeit dazu hat einmal in die Stadtbücherei oder in eine Universität in seiner Nähe zu gehen und sich Vorlesungen zur jüngeren Geschichte anzuschauen. Oder aber sich Bücher von großen Autoren wie Heinrich Heine oder Erich Kästner (da gibt es mehr als „Emil und die Detektive“ oder „Pünktchen und Anton“) zu nehmen und ein wenig zu schmökern und zu blättern. Geschichte, gerade wenn sich durch die Beschäftigung mit ihr ein Bezug zu unserer aktuellen Lebenswirklichkeit herstellen lässt, ist mehr als spannend. Vergesst dabei Youtube und/oder Verschwörungstheorien (ja das kann spannend oder lustig sein). Lest zum Beispiel Hans Ulrich Wehler und andere Historiker, mit wissenschaftlichem Standing. Informiert euch!

Das kam jetzt zwar oberlehrerhafter rüber als gedacht, aber Diskurs ist wichtig für die Meinungsbildung. Und das musste gerade irgendwie raus. Ich hoffe mein Ausgekotze hat euch gefallen und falls ihr etwas davon mitnehmen könnt, freu ich mich auf eure Meinung in den Kommentaren. 😉

 

3 Kommentare zu “Es wiederholt sich (2015)”

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