Glücksspiel mit der (vorgeblich veganen) Nahrungsmittelindustrie

Ist die Industrie gemein, oder sind wir zu blöd? Haben wir als Verbraucher das Recht, dass es eine einfache Kennzeichnung von Produkten oder eine übersichtliche Sortierung im Supermarkt gibt? Was ist Bio, was ist vegetarisch und was ist vegan?

Habt ihr euch auch schonmal im E-Nummernwald verlaufen? Oder seid im Zusatzstoffjungle verloren gegangen? Falls ja, dann seid ihr sicher nicht alleine. Mindestens mir ging und geht es genauso. Und es ist nicht einfach bei den ganzen Zusatzstoffen durchzusteigen, denn selbst wenn sie als Zutaten auf der Packung stehen sind sie so klein gedruckt, dass man sie sehr schnell überliest. Ob es an meiner Naivität und dem Vertrauen gegenüber der Lebensmittelhersteller und Supermarktleitungen liegt, dass ich nicht nur einmal ein als vegetarisch gekennzeichnetes Produkt gekauft und gegessen habe, obwohl in der Zutatenliste >>Eiklarpulver<< steht. Das ist sicher nicht die Schuld des Herstellers, sondern ganz allein meine Blindheit. Allerdings stand das Produkt zwischen Tofu und veganen Fertiggerichten bei real im Kühlregal. Beim überfliegen der Zutaten ist mir das ziemlich kleingedruckte Eiklarpulver leider nicht aufgefallen. Ich bin also ganz allein schuld. Oder vielleicht doch nicht? Es handelt sich bei diesem Produkt um die „Vegetaria – vegetarische Klößchen“ der Firma Vion.

2013-02-07 10.43.37

Diese Firma gehört nicht gerade zu den guten Seelen der Lebensmittelindustrie. Denn die Firma Vion produziert neben „Hochwertige[n] vegetarische[n] Produkte[n] auf pflanzlicher Basis“ (Quelle: vion Homepage) auch einige andere Lebensmittel. Vor allem Fleisch. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass die Tiere nicht anders gehalten werden als es für die Qualzüchtungen anderer Hersteller. Bio? Fehlanzeige. Artgerechte Haltung? Kann in solchen Betrieben aus Kostengründen gar nicht gewährleistet werden. Quallose Schlachtung? Eher ein frommer Wunsch mancher Fleischesser. Dass die Firma vion jetzt Fleisch mit dem Einstiegslabel des deutschen Tierschutzbundes liefert (Quelle: vion Homepage)  ist auch mehr Augenwischerei. Denn diese Richtlinien geben nur die unterste Stufe einer in Ausnahmen Artgerechten Tierhaltung an. Mehr Informationen in Form einer FAQ-Liste dazu findet ihr beim Deutschen Tierschutzbund (LINK). Allerdings kann es doch nicht das Ziel sein nur ein halbwegs erträgliches Leben zu gewährleisten. Am Ende geht es diesen Unternehmen immer nur um den Profit. In wie weit die Anforderungen des Deutschen Tierschutzbundes umgesetzt werden bleibt also abzuwarten. Fest steht trotz allem Bemühen weiterhin: Auch glückliche Tiere wollen nicht sterben! (danke Basti für diese Weisheit) Dass das >>Eiklarpulver<< in den Vegetaria-Produkten dabei von „glücklichen“ freiland Hühnern kommt ist auch eher auszuschließen. Allerdings ist vion da nicht die einzige Firma die so „trickst“. Es ist ja alles im gesetzlichen Rahmen und auch angegeben. Aber in meinen Augen leider viel, viel zu klein. Warum das Ei in vegetarischen Produkten überhaupt sein muss ist mir auch nicht klar. Es gibt genug Alternativen, die eine anständige Bindung aller Zutaten gewährleistet und die dafür sorgen, dass das Endprodukt am Ende die gleiche Konsistenz hat wie die konventionelle Variante. Dass es funktionieren kann zeigt ALDI. Die veganen Bioprodukte des Discounters sind absolut frei von tierischen Zusatzstoffen und sind meiner Meinung nach in Konsistenz und Geschmack in weiten Teilen kaum von den tierischen Pendants zu unterscheiden. Großartig und bezahlbar. Und bei ALDI stehen auch alle veganen Produkte (ausgenommen die Soja-Milch-Produkte) an einer festen Stelle im Kühlregal. Übersichtlich und Verbraucherfreundlich!

Für das Glücksspiel im Supermarkt und auf der Suche nach den E-Nummern in den Nahrungsmitteln unserer Supermärkten haben die Autoren der Internetseite Food-Info.net eine übersichtliche Liste zusammengestellt, die zeigt wann tierische Produkte hinter den unscheinbaren Nummern stehen. –> LINK <–

UPDATE: 

Auch im Bioladen ist man vor Überraschungen was vorgeblich vegane Produkte angeht nicht gefeit. Immer wieder sind Eier und Milch in verschiedenen Formen in den Zutatenlisten, natürlich möglichst klein aufgeführt. Natürlich nur damit alles drauf passt. Also auch beim Biodealer eures Vertrauens lieber zwei oder drei Mal aufs Etikett gucken.

4 Kommentare zu “Glücksspiel mit der (vorgeblich veganen) Nahrungsmittelindustrie”

  1. in einem als vegetarisch gekennzeichneten produkt ist eiklar kein verstoß gegen irgendwas. wenn du veganer bist, dann solltest du bei vegetarischen produkten sowieso ein auge auf die inhaltsstoffe werfen. vegetarisch ist eben nicht vegan. ich versteh deine aufregung hier nicht.
    die herkunft der tierischen anteile ist dann eine andere sache.

    1. Was die gesetzlichen Vorgaben angeht gebe ich dir vollkommen recht. Und rechtlich gesehen ist auch nichts falsch daran in einem als „vegetarisch“ gekennzeichneten Produkt Ei oder Milch als Zutaten zu verwenden. Mein Problem bei dieser Geschichte ist, dass durch Aufdrucke wie „Pflanzlich“ oder auf „Pflanzlicher Basis“ und einer unglaublich klein gedruckten Zutatenliste suggeriert wird man kaufe ein Produkt ohne tierische Inhalte. Natürlich sind die VerbaucherInnen in der Pflicht sich zu informieren. Und ich schreibe ja auch, dass ich zum größten Teil selbst schuld bin, wenn ich solche Produkte kaufe. Allerdings stehen diese Nahrungsmittel direkt bei den veganen und es entsteht der Eindruck es handele sich um ein rein pflanzliches Erzeugnis. Warum werden nicht die tierischen Zutaten einfach etwas dicker gedruckt. Einfacher kann man das Problem nicht lösen. VeganerInnen sehen sofort, dass es nichts für sie ist und VegetarierInnen können sich bedienen. Es gibt Unternehmen die das so handhaben während Andere sich die Mühe machen und bloß nicht auffallen wollen. In meinen Augen wird bei denen, die das Eiklar oder das Milchpulver zwischen anderen Zutaten verschwinden lassen bzw. als E-Nummern aufführen damit kokettiert, dass ihr Produkt auch bei Veganerinnen im Einkaufswagen landet.

      Es ist einfach wünschenswert, wenn Bereiche für vegane Lebensmittel klar von vegetarischen oder welchen mit Fleisch getrennt werden und dazu noch alle tierischen Bestandteile offensichtlich auf den Packungen gekennzeichnet werden.

  2. Hi, Ich bin total entsetzt. Das ist doch total Krank alles, mal abwarten wie lange das noch so geht. Oder ob das quälen irgendwann ein Ende hat. danke für diesen Artikel. Lg. Rafa

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