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Warum ihr niemals Kaninchen aufnehmen solltet! – oder vielleicht doch?

Heut muss ich einfach mal meinen Frust los werden. Persönliches zu unseren Kaninchen. Wer also nicht auf sentimental steht, der sollte jetzt abschalten und einfach mal n Sketchrezepte Kalender als Weihnachtsgeschenk für seine Mutti kaufen. Es geht kurz und knapp um Kaninchen und warum ich euch (natürlich nicht ganz ernst gemeint) davon abrate jemals welchen von ihnen Unterschlupf zu gewähren. 

Wir sind ja hier als Veggies unter uns und ich bin jederzeit dafür wohlüberlegt Tiere aus schlechter Haltung zu befreien und bei sich aufzunehmen. Wenn ihr entscheidet Tiere zu euch zu holen, dann tut das nur, wenn ihr euch wirklich sicher seid und informiert euch! Andernfalls passiert euch das, was uns hier passiert ist. Es schleichen sich erst zwei und dann drei Kaninchen zu euch in die Wohnung, die ihr mit großem Herz und ohne Ahnung bei euch aufgenommen habt. Und erst dann damit beginnt euch einzulesen und zu informieren. Was braucht mein Tier? Ist es stubenrein? Muss ich meine Wohnung umgestalten, um lebensgefährliche Verletzungen zu vermeiden?

gute_besserung_bunny_umsturzvegan_copyright_JanPeiferWarum ich gerade jetzt so etwas schreibe: Poppy hat eine Wunde (mal wieder) von einer Rauferei mit einem der Jungs. (Mehr zu dem „warum“ und weshalb sie einfach nicht aufhören kann Königin zu spielen weiter unten). Und wenn sie nicht gerade Ansprüche erhebt, die viel zu hoch gegriffen sind, dann grummelt ihr Magen (Scheiß Labor und scheiß Versuche!!)

Viel zu beachten!

Gruppenbild_umsturzvegan_Kaninchen

Von links nach rechts: Jamie, Oliver, Popcorn

Wir haben, wie viele Menschen gedacht „Ohhh süße kleine Kaninchen. Die brauchen ja kaum Platz und sind sooooo pflegeleicht.“ FALSCH! Dass sie keine Spielzeuge, sondern Lebewesen mit Bedürfnissen sind, war uns von vornherein klar. Aber, dass sie so anspruchsvoll sind hat uns überrascht.
Denn Kaninchen brauchen

1. viel viel viel viel … viel Platz. Am besten einen Freilauf in der Wohnung und noch besser einen Garten und ein großes Außengehege. ABER WICHTIG: Schützt eure Kabel! Nichts ist ärgerlicher als Netzteile und Stehlampen ständig neu kaufen zu müssen und einem Kaninchen die verbrannte Schnute nach einem Stromschlag zu versorgen, wenn es überlebt hat.
2. Partner. Kaninchen sind Rudeltiere uns entsprechend sehr sozial! Wer Kaninchen alleine hält, betreibt Tierquälerei, weil er die Bedürfnisse dieser sozialen Tiere ignoriert.
3. Abwechslung. Man kennt das von sich. Zu lange zuhause ohne Buch, Smartphone oder menschlichen Kontakt in einem Zimmer zu sitzen und nichts passiert … macht wahnsinnig. Und nicht anders geht es Tieren ohne Beschäftigung. Sie sind da wie wir. Auch wenn Kaninchen die meiste Zeit schlafen oder fressen, brauchen sie Abwechslung und Beschäftigung.
4. Das richtige Futter. Heu, Kräuter (gerne auch getrocknet), Gemüse, ab und zu etwas Obst und viel Grünzeug. So sollte der Speiseplan aussehen. Natürlich ist hier, auch wie bei uns Menschen, der Geschmack unterschiedlich. Manche Kaninchen lieben zum Beispiel Fenchel, während andere ihn wie die Pest hassen. Nicht so ganz einfach.
5. … noch viel viel mehr. Ich kann hier gar nicht alles aufschreiben, was ihr bei Kaninchen alles beachten solltet, denn es ist wirklich viel! Gerade jetzt verfluche ich die Menschen, die dachten es sei eine gute Idee Kaninchen ins Haus zu holen. Denn früher wie heute leben die meisten Kaninchen in Wohnungs- oder Industriehaltung unter katastrophalen Bedingungen. Man kann ihren Bedürfnissen und Vorlieben eben kaum gerecht werden, selbst wenn man es wie wir versucht. Und gerade die Haltung in Mast- und Qualbetrieben der Pelzindustrie ist absolute Tierquälerei, genau wie die meisten Kaninchenzuchtvereine. Wer das nicht glaubt: Hier ist Info von PetA zu dem Thema (VORSICHT VERSTÖREND!!)

Kaninchen_Weidenrolle_umsturzvegan

GuckGuck!

Besonders wichtig

Solltet ihr wirklich so bekloppt sein und euch Kaninchen als Mitbewohner in die Wohnung holen, verabschiedet euch schon mal von aller Flexibilität, euren Fußleisten, offen herum liegenden Kabeln, euren Kissen und den schicken Holzbeinen der Tische und Stühle. Während materielle Dinge zu verkraften sind, ist es der Verlust an Spontanität absolut nicht! Mal eben ein Wochenende weg? Nicht, wenn ihr Kaninchen mit Magenproblemen habt. Mit den Kumpels ne Nacht durchzechen? Nicht, wenn ihr dem Stinker alle 2 Stunden zufüttern müsst, weil er Schmerzen hat und nichts essen mag. Makellose Haut? Gibts nicht, wenn ihr Krallen schneiden müsst. Kaninchen können unfassbar stark sein und richtig gut treten und kratzen.

Wunde_Kaninchen_Umsturzvegan

Klaffende Wunde bei Poppy nach Zoff mit Jamie.

Und passt bloß auf, dass sie sich untereinander verstehen. Wenn ihr Kaninchen habt, die sich nicht leiden können oder ein starkes Dominanzverhalten an den Tag legen … Obacht und habt immer Beta Isadonna (Wunddesinfektionsmittel) und eine für Kaninchen verträgliche Wundsalbe im Haus. Außerdem kann es nicht schaden sich eine Hausapotheke mit Sab Simplex (Magenmittel), Metacam (Schmerzmittel) und Herbicare (Ersatzfutter bei Krankheit) anzulegen. Ihr seht: am Ende fließt wirklich viel Geld in den Unterhalt dieser Rabauken. Wer also empfindlich auf emotionalen Stress reagiert (hieeer, haaallooo ich!), sollte sich zwei mal überlegen, ob Kaninchen wirklich die richtigen Mitbewohner sind.

Und doch …

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Ich hab sie zum knutschen gern! <3

Was soll ich sagen. trotz des ganzen negativen Shits, der da oben steht liebe ich unsere Stinker natürlich! Weg geben? NIEMALS! Es ist wie mit Kindern. Man holt sich Verantwortung ins Haus. Und wenn alles funktioniert, sind sie super süß und manchmal auch sehr trottelig. Ohne geht nicht! Jedenfalls werden sie zur Familie gehören bis sie eines fernen Tages an Altersschwäche sterben.

Warum ich trotzdem so viel mecker? 
Generell sind Kaninchen gar nicht so schlimm. Klar passiert immer mal wieder was. Und das auch in einem engeren Takt als bei vielen anderen tierischen Mitbewohnern. Aber in der Regel läuft es störungsfrei. In der Regel … Regeln sind aber dafür da gebrochen zu werden und da kommen unsere drei Regelausfälle hinzu. Wir haben uns auch eine wirklich miese Konstellation ausgesucht.

Bei uns zuhaus

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Oli sieht unschuldiger aus als er ist.

Wir leben seit bald drei Jahren mit den beiden Brüdern Jamie und Oli zusammen. (Jaaaaa der Starkoch war Namenspate ^^) Die beiden kommen aus dem Tierheim Düsseldorf und wurden dort leider vieeeeel zu früh von ihrer Mutter getrennt. Bereits mit weniger als 4 Wochen wurden sie dort alleine gehalten. Leider hatte die damalige Verantwortliche genaue NULL Ahnung von Kaninchenhaltung. Natürlich müssen Kaninchenbabies länger bei Mama bleiben! Dadurch haben beide einen leichten Hau weg. Jamie hasste es bis vor kurzem von Menschen angefasst zu werden und ist beim Tierarzt schon Wände hochgelaufen, um nicht untersucht werden zu müssen. (Spiderbunny) Und auch jetzt muss alles für ihn passen, damit wir ihn streicheln dürfen. Oli ist dagegen etwas entspannter aber kann sich nicht entscheiden  wo er in der Rangfolge steht. Das führt dazu, dass es immer wieder mal kracht zwischen allen Beteiligten.

Mittlerweile ist das Tierheim Düsseldorf mit einem riesigen Außengehege übrigens ein Vorreiter bei der Kaninchenhaltung. Schaut einfach mal vorbei. 

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Die Maus schläft! Wie kann man sich nicht in sie verlieben?

Seit Anfang 2013 wohnt auch Popcorn bei uns. Die Dame hat ein ziemlich mieses Schicksal hinter sich und wurde vom Kaninchenschutz aus einem Labor übernommen, in dem sie die ersten zwei Jahre ihres Lebens verbringen musste. Was genau gemacht wurde? Keine Ahnung, aber sie hasste es Medikamente über den Mund verabreicht zu bekommen. Und trotzdem ist sie so Menschenbezogen, wie ich bisher kein Kaninchen vorher erlebt habe. Sie vergibt uns Menschen die ganze Qual, die sie durch uns erleiden musste und lebt in den Tag hinein. Manchmal jedenfalls. Wenn sie nicht gerade Probleme mit dem Magen hat, unerklärliche Schmerzen irgendwo oder sich mit den Jungs gefetzt hat und wir irgendwo klaffende Wunden finden. Leider kracht es immer mal wieder, was daran liegt, dass Poppy einfach nicht sozialisiert ist. Man merkt, dass sie vorher selten Kontakt mit anderen Kaninchen hatte und dadurch bestimmte Verhaltensregeln nicht beherrscht. Das führt dazu, dass sie immer mal wieder mit den Jungs aneinander gerät, die ihre Spielchen nicht immer mitspielen wollen. Dann kracht es halt, wie gerade eben erst. Das komische ist, dass sie keine 5 Minuten später wieder kuschelnd beieinander liegen, als sei nichts gewesen. Das sind wohl diese klärenden Gewitter, von denen Mutti immer erzählt.

„Leider“ wussten wir dies nicht bevor wir sie zu uns geholt haben. Wir waren blind vor Liebe und blauäugig, wie man halt so ist. Bereuen wir es? Manchmal vielleicht. Dann aber nur in den Momenten wo etwas passiert. Generell sind wir froh sie bei uns zu haben und mir wurde schon deutlich zu verstehen gegeben, dass eher ich vor die Tür gesetzt werde, als die Kaninchen.

Zum Schluss

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Gemeinsam chillen

Solltet ihr also wirklich vorhaben Kaninchen aus dem Tierschutz oder aus den Laboren (egal ob legal oder befreit) eine Heimat zu geben und ein zweites Leben zu schenken, informiert euch gut! Sie sind sehr anspruchsvolle Tiere, gehören nicht in Käfige oder Kinderzimmer und werden euch viel Geld kosten. Falls ihr also mehr über Kaninchen und Kaninchenhaltung und die Verantwortung erfahren wollt, die damit einher geht, schaut mal bei der Kaninchenwiese vorbei. Hier bekommt ihr Fachkundige Infos zu allen Themen rund um die tiergerechte Kaninchenhaltung. Und wenn ihr euer Heim für ein Kaninchen aus einem Labor öffnen wollt, findet ihr eine schöne Community und Erfahrungsberichte auf der Facebookseite der Laborkaninchen.

Wer mehr über die Zustände von Kaninchen in Zucht- und Qualindustrien (Pelz, Fleisch, Versuche, etc.) erfahren will klickt sich beim Deutschen Tierschutzbüro (Infoseite zur Mast)  oder bei PetA durch. Und ich hab auch schon einmal kurz etwas zu dem Thema Kaninchenhaltung geschrieben: Kaninchen im Käfig – Ernsthaft? und unsere Stinker auch schonmal bei einem Produkttest teilhaben lassen: Ein Alleskönner – Dr. Bronner’s Seife

Und hier berichte ich euch nach anstrengenden 5 Stunden Kaninchenbemuttern noch einmal hautnah über das Zusammenleben mit Kaninchen.


PS: Der nächste Blogbeitrag kommt übrigens nicht von mir, sondern wird der erste Gastbeitrag bei umsturzvegan sein. Die wunderbare Pia Lotta Kpunkt wird euch was über das selbst herstellen von Waschmittel erzählen. (Sie singt übrigens auch) 😉

3 Kommentare

  1. Wie schön, dass ich die 3 schon kennen lernen durfte und es stimmt: Poppy muss man einfach ins Herz schliessen! Die Jungs natürlich auch <3 Schöner Artikel, passt gut in die Vorweihnachtszeit 😉 Liebe Grüße, Anja

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