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Tour de France in Düsseldorf – Bonjour le Tour

Heute gibt es einen Rückblick auf ein Ereignis, das ich mein gesamtes Leben im Herzen tragen werde. Die Tour de France war in zu Gast in Düsseldorf. Und während ich gerade hier am Tisch sitze und diesen Beitrag tippe, läuft im Hintergrund die vierte Etappe dieses Wahnsinsspektakels von Mondorf-les-bains nach Vittel im Fernsehen.

Ich hätte nie gedacht, dass dieses Event einmal direkt vor meiner Haustür, in meiner Stadt veranstaltet werden würde. Und ich hätte noch bis zum letzten Osterfest auch nicht gedacht, dass ich jemals wieder auch nur einen Gedanken an Radsport oder die Tour „verschwenden“ würde. Wer den Blog schon etwas länger verfolgt, der wird schon gelesen haben, dass ich recht spontan wieder aufs Rennrad gekommen bin und ich liebe es zurück zu sein. Aber das könnt ihr hier nachlesen: Es geht wieder aufs Rad

Katerstimmung und nachhaltige Euphorie

Zurück zur Tour de France und dem Grand Départ in Düsseldorf. Der Tross rund um die Fahrer ist jetzt, da ich den Beitrag hier schreibe, schon seit zwei Tagen aus Düsseldorf raus. Und erst jetzt komm ich mal dazu meine Gedanken zu ordnen. 😀

Grand Départ: Tour de France in Düsseldorf Umsturzvegan

Grand Départ. Der Start der 1. Tour de France Etappe in Düsseldorf. Bild: Jan Peifer – umsturzvegan

Ich bin Anfang des Jahres spontan zum Volunteer für den Tourstart geworden. Natalie hatte sich schon im letzten Jahr beworben und da war ich noch Anti. Mir war es so egal, dass da das größte Sportereignis der Welt in unserm Vorgarten stattfinden sollte. Schließlich hatten meine ehemaligen Idole Jan Ullrich, Erik Zabel, Richard Virenque und andere durch ihre Dopingeskapaden all das zerstört, was ich am Radsport geliebt habe. Ich schmiss mein Rennrad in die Ecke kündigte meine Vereinsmitgliedschaft und widmete mich anderen Dingen. Also warum jetzt, nach all den Jahren wieder einsteigen?

Mit dem Erwerb meines Giant TCR Advanced 2 2017 erwachte auch meine lang vergrabene Liebe zum Radsport wieder. Wenn ich nicht auf dem Rad saß (und zum Beispiel nach Venlo fuhr), hockte ich vor dem TV und drückte Tom Dumoulin beim Giro d‘Italia die Daumen. Die Begeisterung für den Radsport war wieder wie damals mit 16. Spontan entschied ich mich nun doch für einen Volunteer-Job für das Einzelzeitfahren am 1. Juli. Lange Rede, kurzer Sinn: Jetzt sind wir wirklich bei der Rückschau auf das letzte Wochenende. 😉

Vielen vielen Dank an alle die das möglich gemacht haben

Zuerst muss ich mich einmal bedanken. Bedanken bei Thomas Geisel, dem Oberbürgermeister von Düsseldorf, ohne den die Tour nicht nach Düsseldorf gekommen wäre. Bedanken bei Nati, ohne die ich mich nicht zum Volunteer gemeldet hätte. Und natürlich bei all den Menschen und Fans, die aus der ganzen Welt an den Rhein gekommen sind und den Volunteer-Kollegen, die diese vier Tage so besonders gemacht haben.

Kathrin aus Berlin zum Beispiel, die mit 49 Jahren die Tour damals in der DDR über ARD und ZDF verfolgte und sich mit dem Besuch bei uns einen Lebenstraum erfüllt hat. Danke für die 9 Stunden lange Schicht am Samstag und die tollen Gespräche bei der Pasta Party.

9 Stunden an der Strecke und trotzdem gute Laune. Tour Maker Volunteer. Bild: Jan Peifer - umsturzvegan

9 Stunden an der Strecke und trotzdem gute Laune. Tour Maker Volunteer. Bild: Jan Peifer – umsturzvegan

Teampräsentation auf dem Burgplatz

Generell war es einfach eine fantastische Feier. Mein Herz blieb schon stehen, als ich bei der Teampräsentation am Donnerstag Jens Voigt und Marcel Wüst auf der Bühne hab stehen sehen. Gut, Jens Voigt war jetzt fachlich nicht der Beste und es gab die ein oder andere kleine Namensverwechslung, aber ey: JENS FUCKING VOIGT und MARCEL WÜST. Andere Radsportler verdrehen jetzt vielleicht die Augen, aber für mich sind die zwei einfach noch ein Überbleibsel aus meiner jugendlichen Begeisterung für die Tour.

Und schon am Donnerstag zeichnete sich ab, dass dieser Grand Départ trotz vieler kritischen Stimmen ein Erfolg werden würde. Der Burgplatz musste zwischenzeitlich sogar gesperrt werden, weil einfach zu viele Menschen die Fahrer sehen wollten. Genial. Und was sich am Samstag beim Zeitfahren trotz Regens an der Strecke abspielte, war einfach nur der Hammer! Über eine halbe Millionen Menschen waren an dem Tag entlang der 14 Kilometer unterwegs und es gab kaum einen Meter an dem kein Mensch stand. Unfassbar. Die Tweets der Radsportler zeigen, wie sehr diese Stimmung bei ihnen ankam.

Immer wieder den Asphalt geküsst …

Als es dann nach dem Zeitfahren nach Hause ging, wurde die gesamte Etappe noch einmal geschaut. ARD, WDR, Eurosport. Alles lag aufgezeichnet vor und die Bilder, die diese Stadt trotz Regen in die Welt sandte, zeigten, warum die Tour ausgerechnet hier startete.

Die zahlreichen Stürze waren natürlich ein Resultat des beschissenen Wetters, aber warum ausgerechnet in den gefährlichen Kurven keine Sicherung vor den Gittern platziert war, weiß auch nur die Stadt. Wenn es einen Kritikpunkt gab, dann den, dass die Streckensicherung an diesen Punkten Mangelhaft war. An dieser Stelle alles Gute an Alejandro Valverde.

Die Tour de France in Düsseldorf: So viele lachende Gesichter

Der Sonntag startete dagegen wie der Samstag nach der Zieleinfahrt des letzten Fahrers geendet hatte: Sonnig und trocken. Wir waren für die 2. Etappe bereits länger verabredet, wollten aber unbedingt noch einmal am Start vorbei und konnten hier einige der Fahrer auf ihrem Weg zur Einschreibung beklatschen. Die Bilder dazu hab ich euch als Galerie hier eingebettet.

Die lachenden Gesichter der Fahrer sagen einfach alles über dieses wunderbare Rennen. Einfach die perfekte Werbung für unser schönes Düsseldorf und die gesamte Region.

 

Die Durchfahrt konnten wir dann bei Anja vom Vegan Foodnerd aus bester Lage beobachten. Erst direkt an der Straße und anschließend aus dem Fenster mit perfektem Blick auf die Straße. So futterten wir uns, während die Fahrer durchs Neandertal rasten, durch einem gut gefüllten Tisch mit einem französischen Grand Déjeuner (einem großen Frühstück). Besser hätte der Ausstand der Tour de France aus Düsseldorf für uns nicht laufen können.

Sooo viele Menschen <3 – Bild: Jan Peifer – umsturzvegan

Totale Enttäuschung nach der Tour de France

Einen großen großen Wermutstropfen gab es aber dann doch für mich. Nach meinen Longboardsturz vor vier Wochen, ist mein linkes Handgelenk immer noch nicht in der Lage einen Rennradlenker zu halten. Und das hat dazu geführt, dass ich KEINES der zahlreichen tollen Angebote rund um die Tour de France wahrnehmen konnte. Egal ob eine der Ausfahrten, beispielsweise von Rapha und der Schicken Mütze, oder ein Treffen mit dem Rad. Das liegt mir auch jetzt noch schwer im Magen und auf der Seele. Und zusätzlich konnte ich mir keines der limitierten Accessoires der Tour sichern. Tour-Trikot der Stadt Düsseldorf? Ausverkauft! Tour-Trikot und Cap von Fortuna Düsseldorf? Ausverkauft! Ich werde die Tage mal bei der Schicken Mütze vorbei schauen und hoffe, dass ich wenigstens dort noch eine Mütze zur Tour bekommen kann. Aber ich denke auch dort werde ich hören: AUSVERKAUFT!

Naja dann muss ich mein Geld wohl in ein Roots of Compassion Cycling Team Trikot investieren. 😉 Keine Verbindung zur Tour de France, aber immerhin was mit Botschaft.

Ich hoffe, dass ich in den kommenden zwei Wochen wieder aufs Rad komme und mein Handgelenk sich langsam wieder umfassend benutzen lässt. Bis dahin sitze ich jeden Tag vor dem Fernseher, schaue mir die Etappen der Tour de France an und fühle mich wieder wie mit 16/17, als es nach der Schule kein anderes Thema als die harten Duelle am Berg und die zeitlichen Abstände der Ausreißergruppen gab.

Hier gehts weiter? Und was habt ihr hier erlebt?

Und wer noch etwas tiefer in die Geschehnisse rund um den Grand Départ eintauchen möchte, der sollte mal bei Maren von Ich hasse laufen vorbei schauen: Grand Départ: Tour de France in Düsseldorf

Wie habt ihr die Tour bei uns in Düsseldorf erlebt? Schreibt mir doch gerne in die Kommentare oder schickt mir eure Berichte an jan(at)umsturzvegan.de … ich freu mich über jede Erfahrung 🙂

2 Kommentare

  1. Pingback: Lieblingsblogs Folge 75 - Coffee & Chainrings

  2. Das ist sehr schön, wenn solche Veranstaltungen bei uns geschehen. Das ist wie ein Stück von der Frankreich in Deutschland. Ich hätte gerne solche Ereignisse nicht nur in Düsseldorf, sonder auch in den anderen deutschen Städten.

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