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Vegan leben! – Warum? Darum!

Was bringt einen überzeugten Burgerliebhaber und Dönerfetischisten dazu mehr oder weniger von heute auf morgen auf Fleisch und Tierprodukte zu verzichten? Eine berechtigte Frage. Um ehrlich zu sein war es in meinem Fall weniger der ethische, als der gesundheitliche Aspekt. Zwar kenne ich auch die ein oder andere Dokumentation über Massentierhaltung. Grausam ohne Zweifel! Aber wie man so ist verdrängt man die grausamen Bilder beim Anblick eines saftigen Schnitzels oder beim Besuch eines Steakhauses/ Fastfoodrestaurants. Sieht halt wenig nach Kuh oder Huhn oder Schwein aus, was da so lecker vor einem liegt. Aber warum gesundheitliche Bedenken, wenn das mit dem Verdrängen bisher so gut geklappt hat? Nun ja. Ich leide an Übergewicht. 100 kg auf 1,82 m Körpergröße. Ein BMI von 30,2 (auch wenn der wenig zum wirklichen Problem sagt) und ich fühl mich einfach nicht wohl. Sport ist zur Zeit nur bedingt machbar und Diäten zwischen Kalorien zählen und kohlenhydratarm ernähren wollen auch immer nur ein paar Wochen funktionieren. Also was bringt Motivation über einen längeren Zeitraum und bedeutet keinen Verzicht? Wenn man mich das vor 2 Wochen gefragt hätte, dann wäre ich im Leben nicht darauf gekommen mit „Vegan Essen“ zu antworten. Wieso also diese Form der Ernährung? Also:

Wie das so ist spricht man auf der Arbeit auch mal über Gesundheit, Sport, Vorsätze und oder gescheiterte/ erfolgreiche Versuche. Eine liebe Kollegin vom WDR hat mich da auf den Versuch der „Tiere suchen ein Zuhause“ Moderatorin Simone Sombecki hingewiesen, die ihre Ernährung 30 Tage lang auf vegan umstellte und dazu ein Tagebuch auf der Homepage der Sendung führte. Die Lektüre dieses Berichtes war der erste Anreiz sich etwas näher mit dem Thema auseinander zu setzen, denn die gute Frau hatte ohne es darauf anzulegen oder wirklich weniger zu essen abgenommen und fühlte sich am Ende der vier Wochen fitter und wohler.  Ist da was dran? Kann das? Vegan leben und sich besser fühlen? Obwohl man auf eine ausgewogene Ernährung mit guter Milch und Fleisch verzichtet? Mit veganer Ernährung habe ich bisher immer nur Mangel und Verzicht von ein paar Hippies und Ökos oder von Hardcorepunks verbunden. Straight Edge … nicht meins! Aber Simone Sombecki scheint weder Hippie, noch Öko noch Straight Edge zu sein. Sie sieht weder unter- noch mangelernährt aus und fühlt sich ohne tierische Produkte um einiges fitter. Also mal die Kollegin gefragt, was da dran ist, denn die hat ja mit Frau Sombecki zusammen gearbeitet in diesen vier Wochen. Viel Literatur wird mir empfohlen. Darunter Kochbücher und Ratgeber. Alles Sachen, um die ich im Buchhandel immer einen großen Bogen gemacht habe. Jamie Oliver ist ja schließlich lecker und ausreichend und mit Fleisch. Warum also was anderes besorgen? Ich geb es zu. Ich bin ein Mensch, der sehr viel Wert auf Design und Aufmachung vor allem von Kochbüchern legt. In so Büchern muss ein Lebensgefühl vermittelt werden, was beim Großteil der Rezeptesammlungen nicht der Fall ist. Darum sprach mich Jamie Oliver auch immer so an. An dem Mann stimmt einfach alles. Man merkt, dass er Koch mit Leib und Seele ist. Da passte einfach alles. Gute Werbestrategie? Vielleicht. Wie gesagt mit sowas bin ich, zumindest bei Kochbüchern, leicht zu kriegen. Aber die genannte liebe Kollegin wies mich im veganen Zusammenhang auf Attila Hildmann hin. Ein Koch aus Berlin, der vollkommen Vegan kocht. Und das auch noch optisch ansprechend. Hmm, das könnte ein Versuch Wert sein. Der Titel stimmt auch „Vegan for fit„.

Vegan_for_fit_instagram

Also mal gucken was das ganze so hermacht. Und die Kollegin hat nicht zuviel versprochen. Das Buch motivierte mich, mich mit der veganen Küche und der Lebenseinstellung auseinander zu setzen. Die 30-Tage-Challenge steht auf jeden Fall auf der To-Do-Liste für 2013.

Eine sehr gute Rezension zu Vegan for fit findet ihr auf dem Blog Achtung Pflanzenfresser:  http://achtungpflanzenfresser.wordpress.com/2013/11/10/vegan-for-fit-vegan-for-youth-attila-hildmann/

Aber da muss noch mehr sein. Also kurz überlegt. Vor einiger Zeit hatte meine beste Freundin meiner Freundin und mir ein Buch geliehen. „Anständig essen“ von Karen Duve.

Anständig essen

Das also wieder aus dem Schrank gekramt und gelesen. Eine Skeptikerin wie ich. Das tut schon mal gut. Keine überkorrekte Überzeugungstäterin aber jemand, der offen an die ganze Sache heran geht. 

Wenn man also einmal angefangen hat sich mit dem Thema auseinander zu setzen und auch wenn man sich vornehmlich auf den Gesundheitsaspekt guckt, kommt man nicht um die ethischen Fragen herum. Wenn eine Ernährung ohne Fleisch möglich ist, wofür dann Massentierhaltung? Wofür müssen Tiere leiden, wenn der Mensch doch gar nicht auf deren Leichenteile (nichts anderes ist Fleisch leider schließlich) angewiesen ist? Aber sie sind aber so lecker. Und schließlich gibt es doch auch Biohaltung und so etwas. Die abschließenden Argumente für mich lieferten Dokumentationen zum Thema. Dabei unter anderem der sehr gute Film „Nie wieder Fleisch?“ von ARTE. Ab da war für mich klar. Ich werde auf Fleisch und Tierprodukte verzichten.

Ich frage mich aber gerade selber: Warum ausgerechnet vor Weihnachten? 25 Jahre Sozialisation gehen nicht einfach von heute auf morgen an mir vorbei. Ich freu mich trotz alldem, was ich mir bisher erlesen und gesehen habe, auf Papas Gans mit Pflaumenfüllung und auf Bohnen mit Speck. Ich weiß genau. Konsequent ist das nicht! Und ich ärger mich auch ein wenig über mich selbst. Aber der Wille ist da und das nicht nur um abzuspecken, sondern weil ich das Leid, welches der Konsum tierischer Produkte verursacht, einfach nicht mehr mittragen will. Und 2013 geht es voll los. Und bis auf die Feiertage wird sich auch kein Stück Fleisch auf meinem Speiseplan finden.

Ich würde mich freuen, wenn ihr noch Tipps zu Essen, Motivation, Koch- und sonstigen Büchern oder guten Dokumentationen habt. Immer her damit und ich werde, wenn die Zeit es zulässt darüber schreiben. =)

Stand: 20.12.2012

Bisher hat das vegane Leben auch ganz gut funktioniert. Ich werde zwar immer noch verleitet mal ein wenig Milchschokolade aus dem Adventskalender zu naschen aber Tofu und Sojasahne sind schon nach einer Woche keine Unbekannten mehr. Dabei hilft mir aber auch meine Freundin, die sich dazu entschieden hat, den Weg mitzugehen und das vegane Leben mit mir zusammen zu probieren. Alleine wäre es auch einfach zu schwer. Die Gute hat auch direkt ernst gemacht und sich das Buch „Tiere essen“ bestellt, was wohl nicht unberechtigterweise auf der Spiegel-Besteller-Liste stand.

0 Kommentare

  1. Für eher Gesundheitsorientierte würde ich ‚Kein Fleisch macht glücklich‘ von Andreas Grabolle und ‚Vegan for Life‘ von Jack Norris und Virginia Messina empfehlen (alles auch auf Jack Norris‘ Webseite veganhealth.org).
    An Filmen ‚Forks over Knives‘ (auf deutsch heißt der ‚Gabel statt Skalpell‘, glaube ich) und vielleicht noch ‚Earthlings‘ (ich selbst hab den Film nicht gesehen, weil der recht heftig sein soll und ich ziemlich sensibel bin, er wird aber oft empfohlen earthlings.com).

  2. Helena sagt

    Hab‘ mir die Doku gerade angeschaut. Einfach nur widerlich, dieser europäische Fleischkonsum. Ich wünschte die Menschen, von denen ich schon so oft gehört habe „der Körper braucht Fleisch“ und „es gibt ja auch Bio-Fleisch“ – oder noch besser: „Menschen sind mir wichtiger als Tiere“ – würden mal hinter die Kulissen schauen, bevor sie diese „Argumente“ ablassen.

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