Weihnachtsfeier im Parlin Düsseldorf - Offener Brief zu Stopfleber auf der Karte umsturzvegan

Weihnachtsfeier im Parlin

Alle Jahre wieder … und so weiter. Jedes Jahr gibt es überall Weihnachtsfeiern. Meine bzw. die der Firma in der ich gerade ein Praktikum absolviere führte uns auf Wunsch des Chefs in das kleine Restaurant Parlin auf der Ratinger Straße in Düsseldorf. Wir haben zwar noch nach Alternativen gesucht, bspw. das Monkeys, aber nur im Parlin waren noch genug Plätze frei. Also reserviert und direkt erwähnt, dass ein Veganer dabei sein wird. In einem Restaurant mit Gänsestopfleber, dass ist der Knackpunkt an der Geschichte, hätte ich mit großem Nichtwissen gerechnet. Allerdings wurde mir sehr sorgfältig erklärt, dass man genau wisse, was vegan bedeute. Erste große Überraschung.

Gestern ging es also zur Weihnachtsfeier und ich muss ernsthaft sagen, dass ich selten so gute, kreative, leckere und vielfältige vegane Küche genießen durfte. Ich möchte hier keine Werbung fahren für ein Restaurant, dass absolute Qualgerichte auf der Karte hat. Allerdings ist die Tatsache, dass man sich auskennt sowie kreativ und lecker kocht ein Zeichen dafür, dass vegan auch in Küchen ankommt, die damit nicht in Verbindung gebracht werden. Man muss als Veganer*in nirgends mehr verhungern. Ob man als Herbivore freiwillig in ein Restaurant geht, dass Foie gras und Kaninchen auf der Speisekarte stehen hat, steht auf einem anderen Blatt. Ich hätte im Leben ohne Weihnachtsfeier niemals einen Fuß in diesen Laden gesetzt und werde es auch nicht mehr tun. Dass ich überhaupt da war, ist bestimmt auch streitbar. Allerdings bin ich noch eine Zeit lang in diesem Unternehmen tätig und ich kann es mir nicht leisten mich dort zu isolieren. Ich weiß, dass das ein durchaus streitbarer Standpunkt ist, aber jetzt kann ich ihn auch nicht mehr ändern und stehe auch dazu. Andernfalls wäre dieser Blogeintrag auch nicht wirklich sinnvoll 😀

Da ich die ganze Geschichte aber nicht unkommentiert stehen lassen möchte, habe ich heute eine E-Mail an das Parlin geschrieben und sie nett gebeten die Gänsestopfleber von der Karte zu nehmen und dauerhaft durch ein veganes Gericht zu ersetzen. Die Mail ist sicher ziemlich nett formuliert, was jedoch volle Absicht ist. Mit Hetzerei und Drohungen kommt man nun mal nicht weit. Und die veganen Speisen waren in meinen Augen wirklich so kreativ, dass es mich wunderte dort nicht mehr davon auf der Karte gefunden zu haben.

Hier die Mail im Wortlaut:

Sehr geehrtes Parlin-Team,

ich war gestern Abend mit Arbeitskollegen für ein leckeres Weihnachtsessen bei Ihnen. Vielleicht erinnern Sie sich, denn ich war derjenige, der in den Genuss Ihres grandiosen veganen Menüs kommen durfte. Ich wollte Ihnen auf diesem Wege noch einmal danken, da es nicht selbstverständlich ist in einem Restaurant, dass hauptsächlich auf Speisen mit Fleisch setzt so gut vegan zu essen. Vor allem ihr „Gruß aus der Küche“ war ein Geschmackserlebnis.
Was mir allerdings leider sehr negativ aufgefallen ist, war eine Vorspeise auf ihrer Karte. Ich war sehr erstaunt über die Gänsestopfleber, die selbst in Restaurants mit gehobener Küche aufgrund ihrer wirklich qualvollen „Herstellung“ immer weniger Verwendung erfährt. Falls Sie davon bisher nichts wussten, was wirklich keine Schande ist, möchte ich Ihnen hier einige interessante Links zu dem Thema empfehlen.
Für die Tiere ist diese Art der Fütterung eine absolute Qual und in Deutschland mittlerweile verboten, weshalb oft auf Exporte aus Osteuropa zurück gegriffen wird, wo die Tiere oft unter grausamen Bedingungen leben müssen. Ich möchte Sie daher eindringlich bitten sich zu überlegen die Gänsestopfleber dauerhaft von ihrer Karte zu verbannen und durch eines ihrer wunderbaren veganen Gerichte zu ersetzen, die mit Sicherheit nicht nur veganen Kundinnen und Kunden schmecken. Sie würden damit nicht nur mir, sondern auch vielen Veganerinnen und Veganern, Tierschützerinnen und Tierschützern, so wie natürlich auch den Tieren einen großen Gefallen erweisen.
Mit freundlichen Grüßen
Wollen wir hoffen, dass es ankommt. Aus der Sicht eines Veganers, kann es natürlich nicht zufrieden stellen, dass weiterhin Fleisch angeboten wird. Allerdings und da muss, finde ich leider, der harten Realität ins Auge geblickt werden, kann nicht jedes Bewusstsein auf einmal geändert werden und man muss, außerhalb der „persönlichen“ Entscheidungen eben auf Kompromisskurs sein. Auch wenn es den Tieren, die weiterhin für den kurzfristigen Genuss mancher Menschen Qualen leiden nicht wirklich hilft, wäre es ein erster Schritt, die zu Großteilen geächtete Stopfleber von der Karte zu verbannen. Ich weiß, dass jedes Tier, dass für die Fleischindustrie stirbt auf grausame Art und Weise ermordet wird und ja, ich weiß, dass dieses Statement nicht zu 100% meine Überzeugungen widerspiegelt. Es ist für mich jedoch der größte Schritt, den ich in diesem Zusammenhang gehen konnte.
Was mir gezeigt hat, dass man im freundlichen Dialog mehr erreicht, zeigte ein Gespräch mit einem Kollegen. Der mich nach dem „Warum“ fragte und ob es nicht schwer sei, so als Veganer, der so radikal umgestiegen ist. Die Antworten sollten bekannt sein. 😉 Der Kollege war so interessiert an der Thematik, dass er sich selbst als passionierter Fleischesser und Opfer schlechter Tofugerichte vorstellen konnte in Zukunft nicht mehr jeden Tag Fleisch zu essen und sich mehr mit fleischlosen Gerichten zu beschäftigen. Zweite große Überraschung. Eine Mail mit Tipps zu veganen Koch- und Sachbüchern war dann auch heute unterwegs. Es zeigt sich also, dass sich das Bewusstsein langsam wandelt. Großartig.
Ich hoffe also, dass ihr meine Einstellung und den Inhalt der Mail verstehen könnt. Ich bin selbst nicht wirklich zufrieden aber man muss im kleinen anfangen und sich hocharbeiten.
Falls ihr Fragen oder Bitten an das Parlin habt wendet euch an info@parlin-weinbar.de Falls ihr euch an das Parlin wenden solltet bleibt bitte sachlich und höflich. Mit Gestänker erreicht man oft nur das Gegenteil.

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