1. Advent – Friede, Freunde, Kochbücher

Es ist schon ein knappes Jahr her, dass mich mein Weg hin zum Veganismus geführt hat. Wie und warum könnt ihr hier nachlesen. Hier geht es aber jetzt nicht um zu resümieren aber ich möchte kurz darstellen, wie es mittlerweile aussieht. 

Was mir und das ist ja gerade zur Adventszeit wieder Thema, besonders aufgefallen ist, meine gesteigerte Empathiefähigkeit. Ich war nach meiner Selbsteinschätzung schon immer ein recht einfühlsamer Mensch, der sich gut in andere hinein versetzen kann. Aber was sich seit meinem Umstieg auf eine vegane Ernährung ereignet hat ist schon ziemlich erstaunlich. Ich merke, dass mir bei manchen Bildern/ Videos oder Geschichten schnell die Tränen kommen können, wenn der Inhalt einfach zu grausam ist, Tiere gequält, geschlachtet oder respektlos behandelt werden. Aber auch bei Menschen bzw. deren Geschichten fühle ich weit mehr mit, als noch vor einem Jahr. Ich bin schneller emotional berührt und habe einen viel größeren Drang etwas zu verändern, mich einzubringen und zu helfen. Veganismus ist mir im wahrsten Sinne des Wortes eine Herzensangelegenheit geworden.

Und Herzensangelegenheit ist auch eine gute Beziehung zu meinen Freundinnen und Freunden zu haben. Dabei bleibt es natürlich nicht aus, dass viele meiner Besten meine Einstellung nicht teilen, sich nicht vorstellen können auf Fleisch oder Milch und Eier zu verzichten oder eben andere Werte vertreten als ich. Warum? Nun ja, man ist ja nicht vegan geboren und da ich ja auch erst seit knapp einem Jahr vegan bin ist es nicht verwunderlich, dass viele Menschen in meinem Umkreis auch nichts mit Veganismus zu tun haben. Aber alleine durch die Umstellung von meiner Freundin und mir kommt das Thema immer mal wieder auf und mittlerweile weiß auch jede*r, dass bei uns kein Tier (egal in welcher Form) mehr auf die Teller und in die Einkaufswagen kommt. Nach den ersten von Besorgnis geprägten Gesprächen und guten Ratschlägen sind die meisten auch durchaus begeistert, wenn es mal vegane Snacks als Mitbringsel gibt. Dabei gibt es auch immer noch kritische Anmerkungen, Hinweise und durchaus konstruktive Diskussionen und immer öfter hör ich mittlerweile „Ich/ Wir essen kaum noch Fleisch, maximal ein bis zweimal die Woche und wenn auch nur Dies oder Jenes.“ Das freut mich, denn es zeigt, dass wir Spuren hinterlassen, zum Denken anregen und zeigen, dass Veganismus keine krude Theorie ist, sondern eine durchaus sinnvolle Lebensweise. Selbst wenn das so nicht von allen geteilt wird, Respekt bekomme ich von allen zu spüren.

Das bringt mich auch direkt zu den Freundinnen und Freunden, die mich überraschen und auf Fleisch, vielleicht sogar Milch und Ei verzichten wollen. Als ich letztes Jahr die Entscheidung gefällt habe mich vegan zu ernähren und mich mit der Thematik auseinander zu setzen, tat ich das ohne die Intention andere davon überzeugen zu wollen es mir gleich zu tun. Vegan wurde ich in erster Linie für mich. Doch wer in einer omnivoren Umwelt umsteigt auf eine pflanzlichen Ernährung kann das zum ersten nicht lange für sich behalten und zum zweiten gerät er/ sie recht schnell in Erklärungsnot. Der Kuchen von Oma, den man doch gestern noch gegessen hat ist auf einmal Tabu, genau wie der Braten am Sonntag oder der Burger/ die Pizza nach dem Suff am Freitag. Am Anfang ist es immer schwer und kompliziert. Und genau so erscheint es auch nach außen. Aber wie oben schon erwähnt bringt die Zeit auch für viele, die anfangs an einem gezweifelt haben Erkenntnis und Motivation. So hat mich eine gute Freundin besonders überrascht, als sie mich nach einer guten Möglichkeit fragte Eier in herzhaften Speisen zu ersetzen und mir erzählte, dass sie ab 2014 Fleisch von ihrem Teller verbannen wolle. Auch wenn Sie nicht vegan sondern ovo-lacto vegetarisch wird, zeigt dies doch, dass man mit seinen persönlichen Handeln durchaus etwas verändern kann. Und wenn es nur dazu beiträgt manchem Menschen dabei zu helfen zu sehen was man selbst sieht. Dabei geht es nicht, wie ich schon in einem anderen Eintrag schrieb, darum religionsähnlich zu bekehren oder einer Glaubensrichtung zu huldigen, sondern Zusammenhänge aufzuzeigen und einfach die Verbindung herzustellen zwischen dem, was auf unseren Tellern und in unseren Kleiderschränken liegt und dem was tagtäglich an Grausamkeiten gegen Menschen, Tiere und die Natur geschieht. Und so kann es auch vorkommen, dass ich in einem Omni-Haushalt ein veganes Kochbuch (The lotus and the artichoke) gezeigt bekomme und mich über Sojamilch im Kaffee freue, gerade weil diese Milch nicht extra für mich gekauft wurde, sondern sowieso im Kühlschrank steht.

Vor allem mit diesem Wissen gehe ich gestärkt in die Weihnachtszeit, denn ich weiß, dass zwischen Gänsebraten, Sahnesaucen und Eierspätzle immer öfter auch rein vegane und wenigstens vegetarische Mahlzeiten serviert werden. Das motiviert auch die nervigsten, ignorantesten und langwierigsten Diskussionen und Gespräche mit Freunden, Verwandten und Bekanten zu überstehen. Denn ich bin nicht allein! Danke =)

NACHTRÄGLICHE FRAGE: 

Wie schaut’s bei euch aus? Wie sind eure Erfahrungen im Bezug auf eine gesteigerte Empathiefähigkeit und Erfahrungen mit eurer Umwelt?